Immer wieder lesen wir in den Chroniken den Ausdruck "Kirchlein". Tatsächlich hatte die erste evangelische Kirche nur 50 Sitzplätze und nahm sich bescheiden aus neben der katholischen Pfarrkirche St. Symphorian. Erst nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Zuzug von Flüchtlingen und Aussiedlern, wuchs die Gemeinde rasant. Es wird ab den 1950er Jahren von bis zu 150 Gottesdienstbesuchern berichtet. Das 1958 gebaute Kaspar-Hedio-Haus wurde von Anfang an als zu klein bewertet, hat aber bis ins Jahr 2023 gute Dienste getan. Das Fundament der Kirche soll nicht mehr in Ordnung gewesen sein, weshalb man schon 1963 darüber nachdachte eine deutlich größere Kirche zu bauen. Sicher wäre ein Anbau auch nicht möglich gewesen, da das Kirchlein am Eingang des heutigen Kurparks gestanden ist. Der Platz ist dort begrenzt. Die Kirche wurde 1971 abgerissen. Eine Glocke aus dem Glockenturm wurde in die evangelische Kapelle in Nordrach eingebaut. Die Kapelle in Nordrach wurde in den 1970er Jahren gebaut für die vielen Kurgäste in den Kurkliniken in Nordrach. Von dem Kirchlein ist nichts übrig geblieben. Jedoch verwenden wir das alte Altarkreuz in den Wintermonaten in der Kirche, wenn unser Altarkreuz im Gemeindehaus steht. Im Sommer verwenden wir das alte Kreuz für unseren Gottesdienst im Grünen. Im Storchenturmmuseum befindet sich der Abendmahlskelch, welcher ein Geschenk des Fabrikanten Carl Schaaff zur Einweihung war. Sinnigerweise steht er im alten Tabernakel der katholischen Kirche. Das ist wirkliche Ökumene! Auch die Liedertafel aus dem Kirchlein steht im Storchenturmmuseum.
Hier finden Sie die Artikel zum Kirchlein aus der Schwarzwälder Post von 1901:
Wir danken der Schwarzwälder Post für die freundliche Genehmigung die Zeitungsartikel aus den Ausgaben von 1901 verwenden zu dürfen.
Am 5.09.1901 wurde noch einmal an die Einweihung der evangelischen Kirche berichtet:
Im Nachgang ist der Schwarzwälder Post vom 09.09.1901 zu entnehmen, dass es ein ergreifendes Fest war:
Begünstigt vom herrlichsten Wetter beging gestern nachmittag die hiesige evangelische Gemeinde das Fest der Weihe Ihres Kirchleins. Schon im Laufe des Tages fanden sich von Nah und Fern eine große Anzahl der Glaubensgenossen ein, und als gegen halb 4 Uhr der bisher inngehabte Betsaal (Bürgersaal) geöffnet wurde, war derselbe alsbald bis auf das letzte Plätzchen besetzt. I n sehr zu Herze gehender Ansprache hielt der frühere Pastorationsgeistliche Herr Ebbeke, welcher vor einigen Jahren als Stadtpfarrer nach Bruchsal versetzt wurde, die Abschiedspredigt, nachdem er die Entwicklung der evangel. Gemeinde Zell von Anbeginn bis auf den heutigen Tag ausführlich geschildert und den Dank an den Gemeinderat für sein Wohlwollen resp. Für die Überlassung des Bürgersaals zur Abhaltung der Gottesdienste ausgesprochen hatte. Nach ddem Schlusslied: „Unseren Ausgang segne Gott“ bewegte sich der Festzug nach der Kirche, voran die evangelischen Schulkinder, die ev. Kirchenvorstände, der hiesige Gemeinderat, eine größere Anzahl evangel. Geistliche, sodann die Mitglieder der ev. Gemeinde und die zahlreich erschienenen weitern Festgäste. Am Portale angekommen überreichte der Kirchenvorstand C. Schaaff den Schlüssel der Kirche Herrn Dekan Bauer aus Lahr, welcher denselben dem jetzigen Pastorationsgeistlichen Herrn Schneider übergab. Der durch einen vom Kirchenchor vorgetragenen Choral eröffnete Festgottesdienst und der Weiheakt verlief in erhebender Weise. Herr Oberkirchenrat Oehler hielt eine tiefempfundene Ansprache an die Gemeinde, die auf die Zuhörer ihren Eindruck sichtlich nicht verfehlte. Der weltliche Teil der Feier bestand sodann in einer geselligen Zusammenkunft im Gasthaus zum Hirsch.
Auch heute existieren noch einige Gegenstände aus der alten Kirche:
Das Altarkreuz - im Winter in der evangelischen Kirche auf dem Altar zu sehen:
Im Storchenturmmuseum der Stadt Zell am Harmersbach der Abendmahlskelch von Carl Schaaff: Er steht im alten Tabernakel der katholischen Kirche Zell am Harmersbach. Das ist Ökumene!
Der Altarleuchter - ursprünglich sind auf dem Bild des Altars des Kirchleins zwei Leuchter zu sehen.
Die Aufstellung der evangelischen Christen 1852 bei der Stadt Zell am Harmersbach angefordert - ebenfalls zu sehen im Storchenturmmuseum.
Wir danken unseren Gemeindegliedern für die Nutzung ihrer Bilder!Sollten noch Bilder unserer alten Kirche, des alten Gemeindehauses oder von unserer Kirche bei Ihnen in den Schubladen oder Schränken sein, dann würden wir uns sehr freuen, wenn wir diese digitalisieren und auf unserer Homepage verwenden dürfen. Hochzeitsfotos, Konfirmationsbilder etc. würden wir, wenn gewünscht verpixeln, damit das Persönlichkeitsrecht gewahrt bleibt.